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Gea - Billigbutter oder Biogas

Veröffentlicht am 14.05.2010 in Pressemitteilungen

Gea Reutlingen online 14.05.2010

http://www.gea.de/region

Landwirtschaft - Podium in Bernloch zum Thema »Billigbutter oder Biogas - Zukunft der Bauern auf der Alb«
Die Schlacht um die Mengen ist längst verloren

HOHENSTEIN-BERNLOCH. Vor dem Regal im Supermarkt wird Frank Schröder künftig noch gründlicher nachdenken. Das hat der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Sonnenalb aus der Veranstaltung mitgenommen, die sein Verband mit Referenten aus Landwirtschaft, Naturschutz und Politik jetzt in Bernloch organisierte. Unter dem Titel »Billigbutter oder Biogas?« ging es vor zahlreichen Zuhörern um die Zukunft der Bauern auf der Alb. Und die wird nicht nur vom Weltmarkt, sondern auch von den Kaufentscheidungen von Verbrauchern wie Frank Schröder bestimmt.

»Nicht einer hat vom Essen geschwätzt«, kritisierte in der Diskussionsrunde ein Landwirt das zuvor Gehörte: Er selbst sei Bauer geworden, um Nahrung zu produzieren. Doch angesichts ruinöser Erzeugerpreise wie zum Beispiel bei der Milch und unkalkulierbarer Schwankungen auf dem Weltmarkt ist die Lebensmittelproduktion vielfach kaum noch wirtschaftlich. Kommen dann noch strukturelle und klimatische Nachteile hinzu, wie bei den Bauern auf der Alb, ist »die Schlacht um Mengen und Preise längst verloren«, wie der SPD-Landtagsabgeordnete Fritz Buschle (Tuttlingen) sagte.

Wer als landwirtschaftlicher Unternehmer die Wirtschaftlichkeit seines Betrieb verbessern will, landet schnell beim Biogas. Nach zwei Boom-Jahren mit der Erweiterung von bestehenden und dem Bau von neuen Anlagen dienen heute bereits zwölf Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche im Landkreis Reutlingen der Energieerzeugung, wie Dr. Werner Hack vom Kreislandwirtschaftsamt berichtete. Die Entwicklung werde sich abschwächen, aber noch nicht zum Stillstand kommen, meint der Agrarexperte.
Immer intensiver
Das Bauernsterben setzt sich fort. Jedes Jahr geben etwa drei Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe auf. Die provokante Frage des Moderators, des SPD-Landtagskandidaten Klaus Käppeler, ob der Landschaft die Verbuschung drohe, beantworteten die Diskussionsteilnehmer dennoch mit einem klaren Nein. Der Biogas-Boom führe sogar »insgesamt zur Intensivierung der Bewirtschaftung«, berichtete Hack. So hat sich etwa der Maisanbau im Kreis auf fast 15 Prozent der Ackerfläche verdreifacht.

Solche Zahlen sind es, die Naturschützern wie Gottfried May-Stürmer (Heilbronn) Sorgen bereiten. »Fehlsteuerungen« nennt der Biologe und BUND-Experte diese Entwicklungen in einer Branche, die für den Umweltverband grundsätzlich ihre Berechtigung hat: Für das Ziel des BUND - hundert Prozent erneuerbare Energie - werde Biogas gebraucht. »Man muss einen verträglichen Weg finden, um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhalten«, hält zumindest der Kreisbauern-Vorsitzende Gebhard Aierstock einen Kompromiss zwischen Ökonomie und Ökologie für möglich.

Mehr Naturschutz, dafür weniger Ertrag: Wenn sich die Bauern auf dieses Geschäft einlassen sollen, müssen ihre Einbußen angemessen ausgeglichen werden - da war sich die Diskussionsrunde einig. May-Stürmer forderte, stärker als bisher ökologische Leistungen der Landwirtschaft zu fördern und dafür die pauschalen Flächenprämien zurückzufahren, von denen große Agrarunternehmen mehr profitierten als bäuerliche Erzeuger. Vertreter aus der Praxis fürchten, dass Bürokratie und Kontrollen dadurch weiter steigen.
Entscheidung am Regal
Die Zukunft der Bauern auf der Alb? Sie wird, glauben Agrarexperten wie Politiker, nicht nur in der Energieerzeugung liegen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Gerster (Biberach) sieht sie in der Produktion von Qualitätsprodukten. »Biobutter oder Biogas«, wandelte er den Titel des Abends ab. Auch Aierstock wies auf die jahrelangen Bemühungen hin, regionale Produkte erfolgreich am Markt zu platzieren.

Aufgehen kann dieses Konzept für den Bauernsprecher nur mit einer »anderen Marktkultur«: Nicht nur Veredler und Zwischenhändler, auch der Produzent muss leben können. Letztendlich ist der Verbraucher gefragt: Leute wie Frank Schröder, die sich am Regal dafür entscheiden, zum etwas teureren, regionalen Produkt zu greifen. (dew)

Quelle: Gea Reutlingen vom 14.05.2010